Gloeden bezahlte seine Modelle gut. Er eröffnete für sie sogar Bankkonten, die es im Laufe der Jahre vielen von ihnen ermöglichten, ein Fischerboot, einen Friseurladen, ein Café oder irgendein anderes Geschäft zu erwerben. So soll es in Taormina heute noch Familien geben, die ihren Wohlstand, neben ihrer eigenen Arbeit, einem Urgroßvater verdanken, der für il barone Modell stand und dadurch seine Lage verbessern konnte.

Als im Jahr 1915 Italien in den Ersten Weltkrieg gegen Deutschland eintrat, musste Gloeden das Land verlassen. Während seiner Abwesenheit kümmerte sich sein Assistent Pancrazio Bucini, genannt il Moro, ein früheres Modell, um Haus und Garten. Sofort nach Kriegsende kehrte Gloeden zurück. Er musste aber bald bemerken, dass nach den Zerstörungen des Krieges und wegen der veränderten sozialen Situation, da an der Antike orientierte Bildungsideale an Bedeutung verloren, auch die visionäre Welt seiner Bilder überholt zu sein schien und weit weniger gefragt war als früher. Auch an Gloeden selbst war die Katastrophe anscheinend nicht spurlos vorübergegangen. Nur noch zögernd und vereinzelt kehrte er zu dem Motiv, das ihn berühmt gemacht hatte, zurück. Die Zeit des griechischen Traums war vorbei.

Wilhelm von Gloeden starb 1931 in Taormina. Er hinterließ sein umfangreiches Gesamtwerk seinem Erben Bucini. Inzwischen herrschte in Italien der Faschismus, und 1933 und wiederum 1936 wurde das Archiv in Gloedens Haus von der Polizei beschlagnahmt. Bucini wurde wegen Verbreitung von Pornographie angeklagt, aber in einem Prozess in Messina freigesprochen. Trotzdem wurden tausende der Negative und Abzüge zerstört. Mittlerweile konnten aber Fotografien aus über die ganze Welt verstreuten Sammlungen zusammengetragen und veröffentlicht werden: eine Wiederentdeckung, die immer noch weitergeht.